Ein Wort, das mich nicht mehr losgelassen hat
Manchmal begegnen einem die wichtigsten Dinge genau dort, wo man sie am wenigsten erwartet. Bei mir war es tatsächlich während der Netflix-Serie Queen of the South, einer Serie über ein Drogenkartell.Mitten zwischen all der Spannung fiel plötzlich ein einziges Wort: Moyocoyozin.
Ein altaztekisches Wort, das so viel bedeutet wie «diejenige, die sich selbst erschafft.» Seit diesem Moment hat mich dieses Wort nicht mehr losgelassen. Denn was wäre, wenn wir uns wirklich selbst erschaffen könnten? Fernab von gesellschaftlichen Erwartungen, den Dingen, die uns beigebracht wurden, und den Glaubenssätzen, die uns seit unserer Kindheit geprägt haben.
Wie wir zu dem Menschen wurden, der wir heute sind
Als Kinder waren wir wie Schwämme. Alles, was uns gesagt und vorgelebt wurde, haben wir regelrecht aufgesaugt und danach gelebt. Denn so war es richtig … oder?
Aber was, wenn viele dieser Glaubenssätze einfach irgendwann von jemandem erschaffen wurden und über Generationen hinweg weitergetragen wurden? Was, wenn es lediglich sein Glaubenssatz war und nicht der, der heute noch für dich stimmt oder überhaupt Sinn ergibt?
Über Generationen hinweg wurden wir geprägt, damit wir in die Gesellschaft passen. Doch wie wir uns dabei fühlen, war und ist oft zweitrangig.
Viele von uns tragen Glaubenssätze mit sich herum wie:
Ich bin nicht gut genug.
Ich bin zu viel.
Ich muss erst leisten, um geliebt zu werden.
Ich darf keine Fehler machen.
Ich muss stark sein.
Ich darf keine Schwäche zeigen.
Andere sind wichtiger als ich.
Die meisten dieser Sätze haben wir uns nie selbst ausgesucht. Irgendwann haben wir sie einfach übernommen und angefangen, sie für unsere Wahrheit zu halten.
Als ich erkannte, dass mein innerer Kritiker gar nicht meiner ist
Ich bin in den letzten Jahren durch viele Krisen gegangen – bis hin zum Burnout.
Gerade während meines Burnouts, als ich mich in meinem eigenen Gedankenkarussell gefangen fühlte, hat mir die Bedeutung von Moyocoyozin neuen Mut gegeben.
In den vielen Therapiestunden durfte ich erkennen, dass mein innerer Kritiker gar nicht wirklich meiner ist. Die Stimme in meinem Kopf hatte über Jahre unzählige Aussagen aus meiner äusseren Welt übernommen, Dinge, die ich mir selbst niemals gesagt hätte.
Meine Mama sagte zum Beispiel einmal zu mir:
«Sei nicht so selbstbewusst. Das mögen Männer nicht.»
Ich war damals noch ein Teenager, als sie das zum ersten Mal sagte. Von diesem Moment an versuchte ich unbewusst, mein Licht zu dimmen. Denn wenn Männer selbstbewusste Frauen nicht mögen, dann musste Selbstbewusstsein wohl etwas Schlechtes sein. Meine Mama wusste doch immer alles besser. Und ich wollte doch später einmal einen Mann an meiner Seite haben. Heute weiss ich, dass genau dieser Glaubenssatz mich viele Jahre begleitet hat. Ich habe mich oft kleiner gemacht, als ich eigentlich bin. Ich habe mich zurückgenommen, damit sich andere wohler fühlen. Nicht, weil ich das wollte, sondern weil ich irgendwann glaubte, dass Liebe davon abhängt.
Mein heutiges Ich weiss etwas anderes. Der richtige Mann wird genau das an mir lieben: meine selbstbewusste Art, meine Ausstrahlung und mein ganzes Wesen.
In den letzten Monaten durfte ich ausserdem erkennen, dass sich meine Mama durch mein Licht eingeschüchtert fühlt. Sie hatte damals nicht die Möglichkeiten und Ressourcen, die ich heute habe. Und sie hat sich entschieden, ihren Weg anders zu gehen.
Das ist vollkommen in Ordnung.
Denn ich lebe mein Leben – nicht ihres.
Du darfst dich selbst neu wählen
Vielleicht trägst auch du Glaubenssätze mit dir herum, die nie deine eigenen waren. Wenn du deine eigene Moyocoyozin wieder freisetzen möchtest, dann lade ich dich dazu ein, nach innen zu schauen. Welche Sätze hast du irgendwann übernommen, weil sie dir immer wieder gesagt wurden? Welche Überzeugungen lebst du heute noch, obwohl sie sich längst nicht mehr nach dir anfühlen?
Schreibe sie alle auf. Am besten sammelst du sie in einem Journal. Immer dann, wenn dir ein neuer Glaubenssatz auffällt, notierst du ihn. Lies sie dir immer wieder einmal durch und spüre ehrlich hinein:
Passt dieser Glaubenssatz wirklich noch zu mir?
Wenn die Antwort Nein lautet, dann formuliere ihn bewusst um.
Aus:
«Ich bin nicht gut genug.»
wird:
«Ich bin genau richtig, so wie ich bin.»
Oder aus:
«Ich muss erst leisten, um geliebt zu werden.»
wird:
«Mein Wert hängt nicht von meiner Leistung ab.»
Wiederhole deine neuen Glaubenssätze jeden Tag. Nicht, weil du dich überzeugen musst, sondern weil du dir erlaubst, Schritt für Schritt zu der Frau zurückzufinden, die du schon immer warst.
Vielleicht bedeutet Moyocoyozin genau das:
Nicht jemand Neues zu werden. Sondern alles loszulassen, was du nie warst. Denn tief in dir warst du schon immer genau richtig.
With Love
Carolin